Jungbrunnen Musikpädagogik

Der Gustav Bosse Verlag besteht seit 1912

Mit solch einem Alter zählt ein Musikverlag eigentlich zur Riege der Traditionsunternehmen. Häuser diesen Alters haben sich ihr Betätigungsfeld sauber abgesteckt. Bach, Beethoven, Brahms und andere Klassiker sind ihre Hausgötter. Doch mit (oder trotz?) hundert Jahren Verlagsgeschichte kann man auch anders dastehen: jugendlich, innovativ, das Ohr am Puls der Zeit. Dies gilt sicher für kaum einen Musikverlag mehr als für den Gustav Bosse Verlag.

Innerhalb der Bärenreiter-Gruppe ist er der Spezialist für Musikpädagogik. Das Verlagsprogramm enthält lückenlos Materialien für alle Altersstufen: von der Zwergenmusik für Kinder ab 18 Monaten über mehrere Systeme der Musikalischen Früherziehung und JEKISS („Jedem Kind seine Stimme“) für Grundschulen – 2011 erschienen und schon auf dem Weg zu deutschlandweiter Verbreitung – bis hin zum umfangreichen Programm Junior Band (ebenfalls 2011) für Bläserklassen an Schulen.

Mit Tina & Tobi, 1970 in Zusammenarbeit mit dem VdM (Verband deutscher Musikschulen) erstmals herausgekommen, haben bis heute mehr als eine Million Kinder im Kindergartenalter ihre ersten Schritte im Weltreich der Musik unternommen. Die unverwechselbare rote Tasche hat sie dabei begleitet.

Von nicht minder großer Breitenwirkung ist die Chormusikreihe Chor aktuell, deren inzwischen sechs Bände in erster Linie für den Gebrauch an Schulen gedacht ist. Das Bosse-Programm endet trotz dieser klaren Schwerpunktsetzung nicht mit der Schulzeit. Notenausgaben mit A-cappella-Chormusik finden  sich  darin ebenso wie Ratgeber für Chorleiter, Musikpädagogen und Profimusiker.

Gustav Bosse (1884–1943) würde sich wundern, wenn er heute einen Prospekt des Verlages sehen könnte, der seinen Namen trägt, denn er hatte vor allem das wissenschaftliche und populäre Musikbuch im Sinn, als er 1912 den Verlag in Regensburg gründete. Schriften über Richard Wagner und Anton Bruckner waren in den ersten Jahren ein roter Faden, in der Nazizeit auch systemnahe Publikationen wie die Reihe „Von deutscher Musik“. Nach Gustav Bosses Tod übernahm für vier Jahre sein Bruder Walther Bosse (1887–1956) die Leitung, ehe ab 1948 dessen Sohn Bernhard Bosse (1921–2016) für fast vier Jahrzehnte die Geschicke des Verlages führte und ihm das heutige musikpädagogische Profil gab. 1957 verkaufte er das Unternehmen an den Bärenreiter-Verlag in Kassel, die Arbeit ging jedoch unter dem traditionellen Namen in Regensburg weiter. Nach einer kurzen Zwischenzeit, in der Theo Geißler das Unternehmen führte, wurde die Arbeitsstelle 1993 nach Kassel verlegt. Seitdem ist sie mit ihrem Lektorat im Bärenreiter-Haus in der Heinrich-Schütz-Allee beheimatet. Die Strukturen des Mutterunternehmens kann sie dabei nutzen.

Der Gustav Bosse Verlag wird auch in Zukunft mit großem Engagement die Entwicklungen der Musikpädagogik verfolgen und mitgestalten – kleine Ausflüge in andere Sphären der Musik nicht ausgeschlossen. Dazu gehörten schon 1961 die Neuen geistlichen Lieder. Der Ohrwurm Danke für diesen guten Morgen (Martin Gotthard Schneider) zum Beispiel – bis heute nicht nur von Kirchentagsbesuchern gern gesungen – ist im Bosse Verlag erschienen.